• Valeria

Was meine Schreibblockade mit dem Kapitalismus zu tun hat

Die Angst vor der Außenwelt


Seit Monaten habe ich eine Schreibblockade. Zusätzlich zum direkten Auslöser, kamen mehrere Gründe zusammen. Zu viel Stress, zu wenig Zeit zum Schreiben, keine klaren Gedanken… Ich nahm es so hin. Hörte auf mit dem Schreiben und die Worte und Gedanken stauten sich in meinem Kopf immer weiter an. Schreiben ist mein Ventil für meine Gefühle und Gedanken. Es machte mich glücklich. –Bis ich den Druck spürte, der auf dem lag, was ich schrieb. Zuerst waren es nur einfache Formalien, die beachtet werden mussten, wenn man etwas veröffentlichte. Aber auch diese zwangen mich in ein Gitter, nahmen mir in gewisser Weise die Freiheit. Dann war da noch dieser „Konkurrenzkampf“ „Wer hat was zuerst gesagt und geschrieben und wer hat wessen Ideen kopiert?“


Der Konkurrenzkampf


Für mich sind es vielleicht ein paar Worte weniger, die ich seitdem mit der Außenwelt teile. Weniger Texte, die ich schreibe und veröffentliche. Es gibt aber auch Menschen, die aufgrund dieses Konkurrenzkampfes vergessen glücklich zu sein. Weil sie ihre Begabungen und Interessen zu ihrem Beruf gemacht haben. Und dieser schreibt ihnen dann ganz feste Muster und Strukturen vor, nach denen gearbeitet wird. Dabei geht es nicht mehr um die Individuen, die etwas tun. Es geht nur um den Mehrwert, um den Gewinn. Ein Kind, das zum Tanzen geht, weil es ihr*ihm Spaß macht, wird schnell merken, dass es in den meisten Tanzschulen darum geht, möglichst schnell viele erfolgreiche Tänzer*innen auszubilden. Und erfolgreich sind nur die, die besser sind als die Konkurrenz. Wer es schafft, wird in Geldform belohnt. Das eigentliche Problem an der Sache – der Kapitalismus.


Die verlorene Lebensfreude


Lucy ist achtzehn geworden und überlegt sich nun, wie sie in Zukunft ihr Geld verdienen will. Sie ist auf einem Ponyhof aufgewachsen und liebt die Arbeit mit den Pferden. Doch auch sie weiß, dass die Beziehung zu ihren Pferden sich verändern wird, wenn sie sie zu ihrem Beruf macht. „Sobald du auf Turniere gehst und deine Existenz und dein Einkommen abhängig davon sind, dass du gewinnst, geht es nur noch darum, dass das Pferd funktioniert“ erzählt sie. Für Lucy ist das der Preis den sie zahlt, wenn sie mit den Tieren arbeitet. Sie ist nicht glücklich damit, aber auch sie ist nur ein ganz kleiner Teil eines großen ungerechten Systems. Was wäre, wenn jede*r das machen könnte, was sie*ihn glücklich macht? Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das jetzt gut genug ist, was man tut oder ob es irgendeinen Mehrwert hat. Wann hast du das letzte Mal etwas getan, einfach, weil dir danach war, weil du nur auf dein Gefühl gehört hast?

Mein Schreibproblem


Ursprünglich ging es in diesem Text weder um den Kapitalismus, noch um irgendwelche Pferde. Es ging einfach nur darum, dass ich vor diesem leeren Worddokument saß und alle zwei Minuten alles wieder löschte, was ich davor geschrieben hatte. Weil jedes Mal irgendein blöder Gedanke wieder dafür sorgte, dass ich mich blöd fühlte, mit dem was ich schrieb. Ich habe keine Ausbildung im Texte Schreiben. Keine Vorerfahrungen, keine unterschiedlichen Schreibstile. Ich schreibe einfach nach Gefühl. Doch diese Gefühle haben keinen Platz in dieser Welt. Sie verändern nichts und haben vor allem keinen wirtschaftlichen Mehrwert. Der Kapitalismus ist so sehr in unseren Genen und Lebensstilen eingewachsenen, dass ich nicht einmal ein Bild auf Instagram posten kann, ohne mir tausend Gedanken darüber zu machen, ob es jetzt richtig und gut genug ist. Was ist schon gut genug, wenn immer alles besser sein könnte?!


PS:

Dieser Text ist weder lang genug noch besonders strukturiert oder durchdacht. Er ist völlig frei von jeglichem Druck und gesellschaftlichen Anforderungen. Lediglich die Rechtschreibung wurde an der ein oder anderen Stelle beachtet, aber auch nur des Verständnisses wegen.

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