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Bekämpfe den kleinen Rassisten in dir

Aktualisiert: Juni 20

Was die Druck!-Redaktion vom 13.06.20 bis zum 19.06.20 beschäftigt hat


Ein SUV, wie wir ihn uns auch vors Redaktionsbüro stellen würden.|CC-BY-NC-ND 2.0 | flickr.com Roman K.


Insta ist nicht mehr voll damit, aber der Rassismus ist noch da

Seit Ende Mai war zumindest mein Insta-Feed voll mit Nachrichten und Bildern von Protesten aus US-amerikanischen und später auch deutschen Städten. Jeden Tag entstanden neue, informative Slides, ich konnte sie gar nicht alle lesen. Das scheint jetzt vorbei zu sein. Dabei ermordeten Polizist*innen in Atlanta vergangenen Freitag wieder einen Schwarzen jungen Mann. Rayshard Brooks wurde in einer überlangen "Verkehrskontrolle" festgehalten, die eskalierte und sich zu einer für ihn bedrohlichen Lage entwickelte. Deshalb lief er davon. Dabei wurde er von einem der Polizisten erschossen.

Und Instagram widmet sich wieder Sommerfotos. Wohl ein weiterer klarer Hinweis dafür, dass wir uns eben noch nicht genug mit unseren verinnerlichten Rassismen beschäftigt haben. Vor allem wir, die Klimagerechtigkeitsbewegung - beziehungsweise: wir weiße der Bewegung - haben da noch viel zu tun. Wie es ist, als Woman of Colour in der Klimagerechtigkeitsbewegung aktiv zu sein, darüber hat die Aktivistin Tonny Nowshin einen Gastbeitrag für die klimareporter° geschrieben. Wenn ihr das gelesen habt, hört euch danach die Podcastfolge der Kanackischen Welle vom 20. September 2019 (!) an: Wie weiß ist (deutscher) Klimaaktivismus? (Mensch beachte das stilisierte FFF-Logo, das diesen Podcast schmückt.)

Und dann, ja dann - dann sind wir immer noch nicht durch mit dem Thema. Wir haben gerade erst, also viel zu spät, damit angefangen. (lucia)



Verfaschung...ähhh...Verfassungsschutzbericht

Diese Woche wurde der Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2019 veröffentlicht. Und er steckt voller Juwelen. Vor allem das Kapitel über Linksextremismus ließt sich wie eine Mischung aus schlecht recherchiertem Wikipedia-Referat und einem beleidigten Kind, das gar nicht glauben kann, dass es sich jemand erlaubt, die eigenen Eltern (den Staat) zu kritisieren.

Für mich war natürlich der Abschnitt 1.3. „Versuchte Einflussnahme auf die Klimabewegung“ sehr Interessant. Anscheinend ist es „den Linksextremen“ nicht gelungen, die Klimabewegung zu unterwandern.

Interessant. Es gibt halt wenig zu unterwandern, wenn die meisten den Kapitalismus sowieso schon doof finden. Der Verfassungsschutz muss aber auch zugeben, dass linke Argumente in der Klimabewegung eine unverkennbar hohe Anschlussfähigkeit haben. Mit anderen Worten: Wir Linksgrünen haben recht.

Der Bericht lässt sich aber auch wie ein Jahresrückblick über all die coolen Aktionen und Events lesen, die die linke Szene im letzten Jahr so auf die Beine gestellt hat. Beim durchlesen war ich bei vielen Dingen oft enttäuscht, dass ich nicht dabei gewesen bin. Das wär doch eine Idee: Den Verfassungsschutz zu einer linken Plattform umbauen, die einerseits auf zukünftige Veranstaltungen hinweist und andererseits in schönen Erinnerungen schwelgt. Die andere Option: #vsabschaffen (ben)

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